Luftbildfotografie
Industriefotografie
Hubert Harst
Copyright 1999 - 2020 Hubert Harst

Ich habe keinerlei Orientierung mehr

Unterwegs mit dem Luftbildfotografen Hubert Harst

Zwar ist die Kabine geheizt, jedoch muss der Fotograf immer wieder das Fenster öffnen. "Stellen Sie sich vor, Sie machen bei 180 auf der Autobahn das Fenster auf", erklärt Hubert Harst. (Foto: ans)

Zwar ist die Kabine geheizt, jedoch muss der Fotograf immer wieder das Fenster öffnen. "Stellen Sie sich vor, Sie machen bei 180 auf der Autobahn das Fenster auf", erklärt Hubert Harst. (Foto: ans)

Auf dem Weg zum Flughafen erzählt mir Hubert Harst, der Fotograf, mit dem ich an diesem Tag in die Luft gehen werde, ebenso gutgelaunt wie ungerührt von einem weiblichen Passagier, der nach 20 Minuten Flug nur noch würgend hinter ihm gesessen hätte.

Ich versuche, mich davon so wenig wie möglich beeindrucken zu lassen. Da es mein erster Flug in einer kleinen einmotorigen Maschine sein wird, weiß ich noch nicht so genau, was mein Magen von dieser Idee halten wird. Kaum auf dem Flughafen, geht es auch fast schon los. Das wundert mich, schließlich hatte der Pilot gesagt, er müsse noch auftanken. Aber wieder vergesse ich, dass wir nicht mit einem Jumbo über den großen Teich fliegen wollen, sondern nur etwa zwei Stunden über das Ruhrgebiet.

Nicht nur der Frühstückskaffee, sondern auch die Aufregung treiben mich auf die Toilette. Zu meiner Beruhigung ist das auch für den Profi-Fotografen Harst, der auch für "Witten aktuell" Luftbilder macht, fast schon Ritual.

„Zur Doping-Kontrolle gehen, nenne ich das immer“,

lacht er. Dann heißt es auch schon einsteigen, was bei dem kleinen Flugzeug gar nicht so einfach ist. Die Kabine ist verdammt eng und verjüngt sich auch noch nach hinten, wo ich mich zusammen mit einem anderen Passagier hineinquetsche. Die dicken Jacken machen das Ganze auch nicht leichter, scheinen aber trotz des strahlend

Die Kabine ist verdammt eng

schönen Wintermorgens angebracht. Zwar ist die Kabine geheizt, jedoch wird der Fotograf immer wieder das Fenster öffnen müssen.

„Stellen Sie sich vor, Sie machen bei 180 auf der Autobahn das Fenster auf“,

warnt er mich vor.

Die Cessna, das meistgebaute Flugzeug der Welt, wie mir der Pilot später sagt, bewegt sich derweil schon auf die Startbahn zu. Für Fragen an den Piloten ist jetzt keine Zeit und auch später nur wenig, weil die Objekte, die der Fotograf auf seinem Auftragszettel hat, alle recht nah beieinander liegen - jedenfalls wenn man sie Luftlinie fliegen kann, anstatt sich über die Autobahnen zu quälen.

Das Beschleunigen zum Start hat mir schon immer Spaß gemacht, aber bevor ich soweit bin, es richtig zu genießen, sind wir schon in der Luft und lassen unter uns allmählich die Landschaft aussehen wie die Platte einer Modelleisenbahn.

Nach kurzem Geschaukel wird es wieder ruhig, nachdem wir eine Flughöhe von etwa 1700 Fuß über Null - das entspricht etwa 300 Meter über dem Boden, je nachdem, ob wir gerade über eine Anhöhe fliegen oder nicht - erreicht haben. Ich bin beruhigt.

Orientierung habe ich überhaupt keine mehr. Dabei dachte ich, dass man von oben alles viel besser sehen und überblicken kann.

Lesen Sie dazu auch den weiteren Bericht auf Seite 3